‚Nachhaltige Ausgleichsmaßnahmen im Streuobst-Bereich‘

Bericht zur 1. Wintertagung, Lokal-Presse
1.IG-Wintertagung Spirkelbach
Exkursion Spirkelbach
1.Wintertagung IG Streuobst Rheinland-Pfalz - 21. Februar 2015, Spirkelbach 
 
Presse-Meldung:
› Zusammenfassung 1. Wintertagung in Spirkelbach 2015
 
Diskussion Spirkelbach

 

die Tagungs-Beiträge:

› Spirkelbach 2015 - Einladung + Programm

› Verfahrensgrundlagen für Kompensationen durch Streuobst in Rheinland Pfalz

› Vortrag Dr. L. Simon: Ökologische Aspekte der Bewertung

› Vortrag S. Wittmann: Reaktivierung des Spirkelbacher Streuobstwiesen + Handlungsleitfaden

› Streuobst-Projekt Spirkelbach

› Vortrag U.Weisbrodt-Mohr: Historischer-Obstgarten-Busenberg

folgt: Vortrag P.Pauli: Nette Äpfel vom Molterhof, Andernach

weitere Dokumente zum Thema:

> Streuobst in Ökokonten in Baden-Württemberg

› Hinweise zur Anerkennung als naturschutzrechtliche Kompensation in Baden-Württemberg - KOB

› EULLA 2014 Vertragsnaturschutz


IG Streuobst Rheinland-Pfalz: 
1. Wintertagung am 21. Februar 2015 in Spirkelbach
Zusammenfassung - Herbert Ritthaler)

Nachhaltige Ausgleichsmaßnahmen im Streuobst-Bereich

Streuobst-Anlagen sind ökologisch wertvolle Landschaftselemente, welche die meisten Menschen als ästhetisch und wertvoll schätzen. Ungezählte Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in die Landschaft wurden in jüngster Vergangenheit deshalb in Form von Streuobstanlagen ausgeführt. Doch sehr viele dieser Obstbäume, welche laut Plan groß und alt werden sollen, kümmern dahin. Wo liegen die Probleme?

Zur Behandlung dieser Frage hatte die IG Streuobst Rheinland-Pfalz am 21. Februar zu ihrer 1. Wintertagung nach Spirkelbach in der Südwestpfalz eingeladen. 
Als Einstieg ins Thema erläuterte der zuständige Referatsleiter im Ministerium MULEWF Matthias Schneider die aktuellen Verfahrensgrundlagen. Deutlich wurde, dass alle notwendigen Aspekte ausführlich geregelt sind – z.B. auch die Verpflichtung zur ‚dauerhaften Erhaltung und Entwicklung der Kompensation‘. Um die vorgesehene ‚Sicherstellung der Herstellungs-, Entwicklungs- und Erhaltungspflege‘ zu gewährleisten scheinen die Instrumente zu Durchsetzung und Kontrolle allerdings nicht auszureichen. Seit einiger Zeit ist für Rheinland-Pfalz das ‘System zur Verwaltung und Erfassung von Kompensationsflächen‘ KomOn im Aufbau. Auch der bereits etablierte Online-Kartendienst LANIS soll darüber Auskunft geben, wo in der Landschaft neue, aus Kompensationsmitteln finanzierte Streuobstwiesen stehen müssten.

Zur Frage, wertsteigernde Maßnahmen in Altbeständen umzusetzen, erteilte Schneider den reinen Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen eine klare Absage. Er räumte ein, dass Altanlagen oftmals einen Zustand der Verwahrlosung erreichen, welcher ermöglicht, sanierende  Maßnahmen als Aufwertung einzustufen. Diese ‚Grenzfälle‘ sind zurzeit nicht explizit geregelt, jedoch ist den Entscheidungsträgern ein Ermessungsspielraum gegeben.

Die Präsentation von Dr. Simon führte einmal mehr vor Augen, welche Vielfalt an ökologischen Nischen Streuobst-Bestände bieten – vor allem dann, wenn die Altersstruktur der Bäume gut durchmischt ist. Kompensationen in Form reiner Wildgehölz-Pflanzungen könnten diese Arten-Vielfalt sowohl zoologisch als auch botanisch nie erreichen.

Im Zuge der nachfolgenden Podiumsdiskussion drehte es sich immer wieder um Mängel in den Umsetzungen, sowie um die mangelnde Kontinuität. Im Diskurs zwischen den 6  Personen aus Praxis, Behörden und Naturschutz, sowie dem Publikum trafen teils recht unterschiedliche Standpunkte aufeinander – so beispielsweise in der Bewertung und Einbeziehung von Totholz und Baumruinen. Erkennbar als Ursachen von Mängeln wurden  fehlende Fachkompetenzen, zu weit gefasste Vorgaben, geringe Motivation der Kompensations-Verpflichteten und vor allem zu kurze Pflege-Zeiträume.

Dass die Sanierung  von Streuobst auch bei weit fortgeschrittener Verbuschung  und Verwahrlosung machbar ist, führte Gastgeberin Sabine Wittmann den Teilnehmern am Nachmittag eindrucksvoll vor Augen. Die durch sie initiierte und gemanagte Reaktivierung von 3,5 ha Streuobst am Spirkelbacher Ortsrand war in vollem Gange. Schweres Gerät musste eingesetzt werden, um aus den Obstwiesen wieder Obstwiesen zu machen – mit einem nicht unerheblichen Ertrag an Schwacholz, das hier zur Kostendeckung eine wichtige Rolle spielen wird. Ohne Zweifel findet eine Aufwertung der Landschaft statt – auf die Weiterentwicklung der nächsten Jahre darf man gespannt sein.
Die Erfahrungen aus den Maßnahmen in Spirkelbach und weiteren Gemeinden sollen in einem "Handlungsleitfaden zur Reaktivierung brach gefallener Streuobstwiesen" für Kommunen veröffentlicht werden.

Die beiden letzten Vorträge des Tages präsentierten Beispiele erfolgreicher Weiterführung von Kompensationen: einerseits die gewerbliche Nutzung durch einen Familienbetrieb, der edle Produkte aus den Früchten kreiert – andererseits in Form von Bewirtschaftung durch einen Verein mit eigener leistungsfähiger Kelterei. 

Resümee der Veranstaltung: das Kultur-Biotop Streuobst läßt sich nur durch eine gute Konzeption mit entsprechend langer Entwicklungspflege neu aufbauen und ohne eine Folgenutzung kann die Kontinuität in der Erhaltungspflege kaum gewährleistet werden. Im Schlußwort drückte IG-Sprecher Herbert Ritthaler seine Hoffnung auf Fortschritte in der aktuellen Praxis aus – als erstes schon durch die Ausnutzung persönlicher Entscheidungsspielräume vieler einzelner Personen, welche an maßgebenden Stellen tätig sind.

Die Beiträge der Tagung und weitere aktuelle Dokumente zum Thema stehen auf der Website der IG Streuobst RLP zur Verfügung.